Wie starke Bilder begeistern
Wie gelingt visuelles Storytelling? Lesen Sie, wie starke Bilder Aufmerksamkeit wecken und Geschichten wirkungsvoll erzählen.
Was ist visuelles Storytelling?
Erfolgreiche Bildkommunikation erfordert weit mehr als die üblichen Symbolbilder und stereotypen Motive, die nach wievor in Webseiten, Newslettern, Social-Media-Feeds und in vielen PowerPoint-Präsentationen zur Anwendung kommen. Visuelles Storytelling verlangt nach visuellen Elementen, die Blicke auf sich lenken, die interessieren und motivieren, dieeine Aussage treffen und auch provozieren. Es sind Bilder, die einen Text nicht nur bescheiden begleiten, sondern dieihm die Schau stehlen.
Kernaspekte der Wahrnehmung
Wenn wir Bilder betrachten, setzt unser Gehirn auf Arbeitsteilung. Es teilt die Informationen, die es vom Auge erhält, auf und kategorisiert sie zunächst nach drei Aspekten: Konturen, Farben und Perspektive. Bei der Auswahl von Bildern, Grafiken und Filmen sollten Sie daher ganz besonders auf diese drei visuellen Elemente achten:
1. Konturen
Menschen nehmen ihre Umgebung anhand von Konturen und Umrissen war. Konturen definieren die Grenze zwischen Figur und Grund. Nur mit ihnen können wir Objekte vom umgebenden Raum unterscheiden. Mit Konturen erkennen wir Muster und identifizieren Gegenstände.
2. Farben
Sie sind visuelle Ausrufezeichen. Sie lenken das Auge des oder der Betrachtenden und rufen Gefühle hervor. Farben signalisieren und emotionalisieren. Visuelle Storyteller:innen überlassen hier nichts dem Zufall. Sie setzen bewusst auf Farbe und nutzen gezielt Farbeffekte wie Kontraste, Farbharmonien und Disharmonien.
3. Perspektive
Um etwas zu erkennen, müssen wir wissen, ob es sich im Vorder- oder Hintergrund befindet oder wiegroß der Gegenstand ist. Automatisch überprüfen wir die Proportionen der Gegenstände, indem wir sie miteinandervergleichen. Wir orientieren uns im Raum anhand von Proportionen. Und wir achten ganz besonders auf die Perspektive – den Blickwinkel – in einem Bild.
Kriterien starker Bilder
1. Authentizität: Zeigen Sie das echte, authentische Leben. Bieten Sie Bildmaterial, das als „real“ empfunden wird. Das heißt nicht, dass Ihre Fotos von schlechter Qualität, unscharf oder verwackelt sein müssen. Rücken Sie echte Menschen statt anonymer Models ins Licht. Idealisieren Sie nicht, sondern zeigen Sie die Realität.
2. Kulturelle Relevanz: Menschen und Orte mit konkreten Bezugspunkten sind interessanter und relevanter als stereotype Platzhalter. Zeigen Sie wiedererkennbare Orte und identifizierbare Ereignisse anstatt zeitloser Repräsentanten aus dem Nirgendwo. Ein Bild entfaltet erst seine Wirkung, wenn der oder die Betrachtende sich in Bezug zu dem Dargestellten setzen und sich orientieren kann.
Tipp: Bilddatenbank
Getty Images, die größte Bilddatenbank weltweit, identifizierte vier Kriterien, die das neue, gefragte Bildmaterial ganz deutlich von herkömmlichen „Stockmaterial“ unterscheiden.
3. Sinnliche Stimulanz: Bilder können ein Fest für alle Sinne sein. Gehen Sie daher mit der Kamera nah ran und zeigen Sie Materialien, die man anfassen möchte. Bildmotive, die den Geruchssinn aktivieren. Bilder können alle Sinne ansprechen und die attraktivsten von ihnen zeigen Papier, Metall, Holz, Wolle, Mauerwerk, Erde, Luft, Wasser – soviel Stoffliches wie nur möglich.
4. Narrative statt konzeptionelle Bilder: Visuelles Storytelling nutzt Bilder, die Geschichten erzählen: „narrative Bilder“. Doch genaugenommen kann ein einzelnes Bild kann gar keine Geschichte erzählen. Geschichten folgen einer Chronologie, sie sind die Abfolge eines Ereignisses. Genau diesen Aspekt kann eine Grafik oder ein Foto nicht erfüllen. Visuelle Elemente sind eingefrorene Momente. Aber: Bilder können Geschichten triggern: Sie können uns an Stories erinnern, die wir schon kennen oder neugierig machen auf die Geschichte, die hinter dem Bild steckt. Und dabei bedienen sich des gleichen Aufbaus, der 5 gleichen Erfolgsbausteine, wie gute Stories.
Kernelemente einer guten Geschichte
1. Jede gute Geschichte (und jedes gute Bild) hat einen guten Grund, erzählt zu werden.
2. Jede Geschichte jede braucht eine:n Held:in, eine Hauptfigur, mit der sich der oder die Zuschauende identifizieren kann. Storytelling ist exemplarisches Erzählen. Narrative Bilder bieten dem:der Betrachtenden ebenso einen „Helden“, einen Blickpunkt, an dem sich das Auge festsetzt.
3. Jede gute Geschichte beginnt mit einem Konflikt. Als Publikum wollen wir miterleben, wie der:die Held:in Schwierigkeiten und Herausforderungen durchlebt und meistert. Bilder sollten auf jeden Fall Kontraste bieten. Inhaltliche Kontraste wie z.B. „hoch – tief“ und optische Kontraste wie z.B. „hell – dunkel“.
4. Gute Geschichten gehen ans Herz. Wer Geschichten erzählen will, muss bereit sein, emotional zu werden, sein Publikum zum Lachen zu bringen oder zu Tränen zu rühren. Und auch gute Bilder wecken Emotionen im Rezipienten.
5. Jede gute Geschichte wird weitererzählt. Viralität ist keine Erfindung des Internets. Die besten Geschichten werden bereits seit tausenden von Jahren von Generation zu Generation weitergegeben. Das gleiche gilt für Bilder. Ganz besonders, wenn sie online eingesetzt werden.
Erfolgskonzepte für Online-Bilder
Nutzen Sie die folgenden sechs Erfolgskonzepte, die eine starke, visuelle Sprache sprechen und einen hohen „Shareability“-Faktor garantieren. Dieses Ordnungssystem gibt Ihnen Qualitätskriterien an die Hand, mit deren Hilfe Sie Ihr eigenes Bildmaterial besser einordnen und bewerten können:
1. Hingucker-Bilder überraschen, irritieren, provozieren. Sie sind visuelle Ausrufezeichen mit Wow-Effekt. Siebrechen Sehgewohnheiten, machen neugierig und sind Garant für die Frage: „Was ist denn hier passiert?“
2. Schnellschuss-Bilder zielen effizient ins Hirn. Sie sind so klar gestaltet, dass man sie noch schneller erfassen kann als herkömmliche Bilder. Schnellschüsse helfen dem:der Betrachtenden, einen Sachverhalt sofort zu erkennen und zu verstehen. Bilder dieser Kategorie sind minimalistisch in der Darstellung und klar aufgebaut und zwingen zu der Aussage: „So ist das also. Habe verstanden!“
3. Augenschmaus-Bilder verwöhnen ästhetisch die Sinne. Dieses Bildmaterial tut der Seele gut, ist ein Stresskiller und funktioniert als kleine Wellnessoase. »Augenschmaus«-Bilder sind meist visuelle Storys, die die Hektik und Tristheit des Alltags vergessen lassen. Gleichzeitig stehen sie durch ihre starke Optik für Leidenschaft, Passion und Liebe zum Detail.
4. Türöffner-Bilder regen die Fantasie an und öffnen Türen zu neuen Welten. »Türöffner« machen neugierig auf die Geschichte hinter dem Bild. Sie sind Projektionsfläche eigener Träume und Wünsche, Absprungpunkte für Tagträume, Geistesblitze und Zündfunke für interessante Storys.
5. Zeitgeist-Bilder nehmen Bezug auf Altbekanntes. Bilder, die mit »Zeitgeist« arbeiten, beziehen sich daher auf Themen und Ereignisse, die der oder die Betrachtende bereits sehr gut kennt. Sie spielen mit Erinnerungen, Erfahrungen, Kontexten, oft auch Popkultur. Sie sind Referenz und Zitat, Kopie oder Mashup.
6. Trittbrettfahrer-Bilder springen spontan auf Trends und Memes auf und mischen sich ungefragt ein. Humor und ein Augenzwinkern sind notwendig, um hier glaubwürdig wahrgenommen zu werden. Diese Bilder und Videos sind ironisch, emotional, persönlich und sympathisch. »Trittbrettfahrer« und Meme-Hijacker nutzen die schnellen Themen für die eigene Agenda. Alles passiert dabei in Echtzeit.
Ein hoher „Shareability-Faktor“
Ein Foto, eine Grafik oder auch ein Video kann eines dieser sechs Erfolgskonzepte erfüllen – oder aber auch mehrere gleichzeitig. Je mehr Kriterien erfüllt sind, umso eher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser visuelle Inhalt im Netz Beachtung findet, geliked und geshared wird (hoher „Shareability-Faktor“).
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